Herz Jesu Kirche

in der Pfarrei St. Nikolaus

Hauptstr. 65
55120 Mainz
Gemeinsames Pfarrbüro

1911-1913 nach Plänen des Mainzer Dombaumeisters Ludwig Becker erbaut. Wegen des vor allem von Arbeitern bewohnten Umfeldes Gedächtniskirche für den Mainzer Bischof und Sozialreformer Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler (1811-1877).

Im Kirchenkalender von 1911 heißt es: Die Bezeichnung "Herz-Jesu-Kirche" entsprang aus dem Gedanken, das Andenken des großen sozialen Bischofs v. Ketteler, der zeitlebens ein frommer und eifriger Verehrer des Heiligsten Herzens war, in seinem hundertsten Geburtsjahr zu ehren.

Herz-Jesu-Figur

Als Basilika mit Fassadenflankenturm geplant, wurde doch nur Chor, Querhaus und Ketteler-Gedächtnis-Kapelle ausgeführt. Neuspätgotischer, malerisch gruppierter Putzbau mit Gliederungen in Rotsandstein. Polygonaler Chor mit variierten Nebenchören. Über der Vierung achtseitiger Dachreiter mit eigenwillig ausgeformtem Kupferspitzhelm mit krönender Herz-Jesu-Figur. Maßwerkfenster. Die übersichtliche Raumwirkung des lichterfüllten Inneren prägen Netz- und Sterngewölbe über Bündelpfeilern. Gute Steinmetzarbeiten von Hans Steinheim und Josef Neumann, Eltville. Südlich des Chores repräsentativer Sakristeibau mit Treppenturm. Der das Ortsbild beherrschende Sakralbau ist typisch für das Streben des Späthistoristen Becker nach Monumentalität des Erscheinungsbildes. Dabei äußerte sich seine Originalität in der Verschmelzung vielfältiger historischer Vorbilder und ihrer individuellen Neuformulierung.

1969/70 nordseitiger Anbau von Gemeinderäumen und Umgestaltung des Chorraumes. Die modernen Glasfenster (Alois Blum. Mainz) beeindrucken gerade im Kontrast mit der ebenso qualitätvollen Neugotik. In der Ketteler-Gedächtniskapelle wurde eine Decke eingezogen; lohnend ist es die Wendeltreppe hochzusteigen, da der darüber liegende Raum durch seine Höhe überrascht.

Da das Langhaus mit abschließendem großem Turm nicht zur Ausführung kam, fehlte dem gebauten Chor mit Querhaus das Widerlager.

Innenraum Herz-Jesu-Kirche

Deshalb war 1999/2001 eine Sicherung der Ringanker nötig. Im Rahmen dieser Renovierung wurde der Chorraum ausgemalt (Vitus Wurmdobler, Erbes Büdesheim), eine Gestaltung, die nach Aussage der kirchlichen Denkmalpflege in Ihrer Art einmalig ist. So verwundert es nicht, dass sie umstritten ist. Machen Sie sich selbst ein Bild! Das große abstrakte Holzkreuz aus Kuben und Quadern (ursprünglich von Alois Plum) erhielt einen Corpus mit barockem Strahlenkranz. Auch die Ersetzung der früheren originellen Leuchtstoffröhrenlampen durch moderne "Mikado"-Glühlampenradleuchter ist ein Blick wert. Seit 2011 beeindruckt ein 16-teiliger Kreuzweg. Geschnitzt von dem Mombacher Jupp Schmitt aus dem Holz der Linde, die im Pfarrgarten von St.Nikolaus stand.

(Unter Verwendung der Einzeldenkmalbeschreibung der Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz zusammengestellt von Gerhard Adam)